EUMETCast empfangen…

Da die NOAA Satelliten mit ihrem APT-Signal wohl nicht ewig mehr im All und über unserem Haus vorbeiziehen werden (was sie aber im Moment noch immer sehr zuverlässig tun, der Empfang läuft auch sehr stabil und problemlos nach der Umstellung auf die einfache Kreuzdipol-Antenne), fiel mein Augenmerk schnell auf eine Alternative: den Emfang der geostationären Satelliten von Meteosat (u.a. Satelliten und Dienste) mittels EUMETCast. Dabei werden die aufbereiteten Daten der geostationären Satelliten per Eumetsat 10A verteilt. Der Emfang ist für nicht-kommerielle, rein private Zwecke kostenlos – nach Registrierung – möglich.

Nach einiger Recherche landet wohl jeder irgendwann auf der Seite von David Taylor (satsignal.eu). Diese Webseite ist hoch interessant und alle möglichen Fragen werden dort beantwortet bzw. gleich Installationanleitung vorgestellt.

Aber die Idee musste noch reifen, zumal der dort vorgestellte Empfänger (SR-1) nicht gerade billig ist und doch einige Hardware von Nöten, um zum Ziel zu kommen. Doch an Weihnachten wollte ich mir was gönnen. 😉 Nach einer Anfrage im Yahoo-Forum MSG-1 wie man dann am besten startet und mit welcher Hardware, bekam ich zahlreiche Tipps, Erfahrungen und Empfehlungen geliefert, was das ganze zunächst nicht einfacher machte. Aber es wurden auch einige Grundsatzfragen geklärt, so habe ich mich dann entschieden: angeschafft wurde eine 100cm Satellitenschüssel, ein Raketen-LNB (DVB-S2 tauglich) und ein DVB-S2 Reveiver (TBS 5925 USB). Dann ging es zum wichtigsten Schritt: der Antrag bei Eumetsat zur Lizenzierung des Empfangs der aufbereiteten Satellitendaten. Dafür muss (online) ein entsprechendes Formular ausgefüllt werden. Der Antrag wird dann bearbeitet und wenn er positiv beschieden wird, dann wird nach Zahlung eines einmaligen Betrages für den eToken (Decrypt-Key) und die Software die Lizenz erteilt, es werden Zugangsname und Passwort mitgeteilt und der eToken sowie eine CD mit der Empfangssoftware (Tellicast) zugesendet. Das ganze klappte ganz wunderbar und dazu noch mit einer sehr netten und freundlichen Konversation mit Maria vom EUMETSAT User Service, die mich immer über den aktuellen Stand der Lizenzierung auf dem laufenden hielt und jederzeit Ihre Hilfe anbot! Vielen Dank noch mal dafür! .

IMG_2443Heute nun ging es dann also an die Installation. Die Sat-Schüssel hatte ich schon zwei Wochen zuvor zusammengebaut, Dübel und Schrauben ebenfalls besorgt. Und da heute ein Sonnentag vorhergesagt war, sollte es dann auch heute losgehen. Nach einigen fruchtbaren Telefonaten mit meiner “Allzweckwaffe” Walter G. war klar, das die Schüssel am besten an den Schornstein montiert werden sollte. Also Werkzeug geholt und eingerichtet, die Schüssel über den Garten auf das Dach gebracht, dann konnte es losgehen. Als erstes wurde der Halter montiert.IMG_2473 Der Halter selbst ist aus Aluminium und extra mit aufgeschweissten “Dreiecken” am Anschluss Rohr/Halteplatte verstärkt. Nachdem unsere ‘Astra-Schüssel” bei einem Sturm sehr gebeutelt wurde und ein nicht verstärkter Aluhalter dort nachgab (die Schüssel hängt etwas auf “halb-acht” im Moment) , hatte ich dieses mal nach diesen speziell verstärkten Haltern Ausschau gehalten. Denn auch durch die Grösse des Spiegels (100cm) dürft die Windlast doch recht hoch sein….da kann man ‘Reserven’ brauchen.

Nachdem der Halter fest angebracht war, wurde die Schüssel eingehängt, der LNB eingesetzt und dann verkabelt. Genutzt wurde ein etwas besseres Kabel, 10m Länge, fertig konfektioniert.

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Das Kabel wurde  an dem LNB angeschlossen, durch den Arm gezogen, dann am Schornstein an der Wand entlang geführt bis zur Hauswand. Dann musste ein Loch nach innen gebohrt werden um zum Reveiver zu gelangen.  Dank unseres sehr netten und zuvorkommenden Nachbarn (der einen 30cm Steinbohrer für mich hatte und auch sonst immer sehr hilfsbereit ist!), konnte das ganze schnell durchgeführt werden. Das Kabel wurde durchgeführt und nach einigen Versuchen auch erfolgreich innen entgegengenommen. Die Durchführung wurde aussen und innen dann mit weissen Acryl abgedichtet. Innen wurde wieder alles zurückgerückt und das Ende des Kabels auf den TBS-DVB-S2-Empfänger gesteckt. Dann war erst mal eine Pause angesagt. 🙂

Danach ging es weiter: ausrichten der Schüssel. IMG_2477Ein nicht ganz einfaches unterfangen, wie sich herausstellte… Dazu wurde in den Weg zum Receiver direkt am LNB ein kleiner Sat-Finder eingschliffen. Diese kleinen Geräte sind super geeignet, um die optimale Ausrichtung der Schüssel (Richtung und Elevation) ausfindig zu machen. Je nach Signalstärke kann diese an einem Zeigerinstrument oder ‘akustisch’  abgelesen werden. Dank eines Tipps aus einem Script zu Eumetcast, das auf die Internetseite dishpointer.com verwies (dort habe ich die Standortdaten eingegeben) konnte ich schon einmal ungefähr abschätzen, wo die Schüssel hinzeigen sollte um den richtigen Satellit (Eutelsat-10A) zu ‘erwischen’. Dreht man mal aus Spass die komplette Schüssel einfach von rechts nach links mit einer Elevation von um die 34 Grad, merkt man schnell, das da ‘ein Satellit neben dem anderen’ am Himmel parkt! 😮 Also grob die Richtung angepeilt (eine Feldwegkreuzung war direkt auf der Sichtlinie – perfekt!), dann die Elevation eingestelt (um die 32 Grad waren es, glaube ich) und dann ging es an das feinjustieren: Schrauben anziehen….verändern, wieder anziehen usw. Hier der Link zu einem kleinen Video, wie sich die Einstellarbeit ‘anhörte’…!

Die Frage war aber trotzdem: bin ich auf dem richtigen Satelliten? Das kann ich nur herausbekommen, wenn ich die Software am Rechner starte und den Tuner auf die Frequenz von Eutelsat-10A setze. Gesagt getan, ich hatte den Treiber für die TBS-Box, die Tuningsoftware BDADataEx mit den für die Box und den Satellit passenden Einstellungen von Eumetsat geladen und Tellicast schon installiert. Zwar bin ich eher ein Linux-Fan, was Rechner und Software betrifft, doch da ich erst einmal ein relativ einfach zu konfigurierendes System haben wollte um nicht zu viele Unsicherheiten/Fehlerquellen beim Setup zu haben, habe ich mich zunächst für ein Win-7 Systme entschieden. Ein älterer Rechner (Dualcore, 2.6GHz, 4GB Ram, Win-7, 32bit) war dafür vorhanden und wurde eingerichtet. Also BDADataEx gestartet, per VNC vom Laptop auf den Empfänger-PC verbunden um die Balkenanzeige für Qualituat und Level auch draussen auf dem Dach an der Antenne kontrollieren zu können…und vor allem: um zu sehen ob die Box auf den Satelliten ‘lockt’!? Los ging es……und…es ging….nichts!? 😮 Falscher Satellit vielleicht!? Also wieder neu ausgerichtet, auf die Satelliten rechts und links von der eigentlich angenommen Position angepeilt….nichts! Also weiter: andere Software ausprobieren (von TBS). Installieren, einrichten, starten……nichts! Kein Quality-Level, kein ‘Lock’! Hm….da war guter Rat teuer. Was könnte da helfen…neu starten (Win-System 😉 )….????? Und siehe da, wieder BDADataEx geöffnet und ein kurzes Zucken beim Quality-Level!? 🙂 Also wieder den Sat-Finder dazwischen, die Software beobachten und ausrichten. Siehe da, die erste Position war doch die richtige. 😀

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Nachdem der Balken stand und die Software ‘lockte’, kam der Sat–Finder wieder raus aus dem Signalweg und das Feintuning erfolgt mit der Balkenanzeige der Software. Leichte Korrekturen und verdrehen des LNBs wurden so lange wiederholt, bis es nicht besser ging. Und so ging es durchs Fenster wieder rein, um am Rechner selbst zu kontrollieren. Und siehe da, zu meiner Freude war das kleine Tellicast-Logo in der Windowsleiste schon von ‘gelb’ auf ‘weiss’ gesprungen, was bedeutet, das die Tellicastsoftware Verbindung zum DVB-Tuner hat und Daten vom Satellit empfängt! Nach öffen des Clients bestätigte sich die Vermutung auch gleich.

 

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(Auf dem Bild oben sieht man, das gerade Daten auf Channel 2 und Channel 4 eintrudeln).

Damit war der Tag gut ausgenutzt und jetzt muss erst mal geschaut werden, wie die Daten verabeitet werden können, wie man schöne Bilder daraus erstellen kann, wie man am besten das Datamanagement regelt (es kommen ja andauernd Daten vom Satellit ‘herunter’ und die Platten laufen bei 24h Betrieb ja irgendwann dann recht schnell voll mit den vielen Rohdaten).

Viel zu tun und es wird bestimmt wieder und weiter sehr spannend……! Aber ein Bild zu erstellen habe ich doch irgendwie auf die schnelle noch hinbekommen. Hier ist es also: das erste selbst per Satellit/Eumetcast empfangene, dekodierte und erstellte Bild:

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Und hier noch mal in gross!

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Update 05.07.2016: Inzwischen hat sich doch einiges getan. Natürlich behagte mir es nicht, das mein Receiver unter Windows läuft 😉 . Nach Recherche im Netz und im Yahoo Forum zeigte sich aber, das es vielleicht doch machbar wäre, Tellicast unter Linux aufzusetzen, da die TBS USB Box unterstützt wird. Allerdings ist der Kreis der Nutzer wohl sehr klein, was es schwierig machte, Hilfe per Google zu bekommen! Da mich der HVS (High Volume Service) auf dem zukünftig die Daten von Sentinel-3 ausgesendet werden auch sehr interessierte und ein neuer Tellicast Client (2.12.1) auch für Linux vorhanden war, habe ich den Schritt gewagt und mit ganz viel Hilfe aus dem Netz (besonderen Dank an Ernst Lobsiger, den ich unendlich genervt habe….) es am Ende geschafft, den Tellicast Client auf einem Celeron J1900 und Ubuntu 14.04 32bit laufen zu lassen. Das ganze läuft auch wieder mit einer dedizierten Ramdisk (Rapiddisk) und einem Script von Ernst (mvmsg), welches die empfangenen und kodierten Daten alle 2 min von der Ramdisk auf die HD/SSD schreibt. Viel Arbeit, Schweiss und Mühe hat es gekostet, läuft aber jetzt doch am Ende endlich tadellos. 🙂 tc2_12_1

Das ganze wird “schick” überwacht mit eLuna und ein paar Modifikationen von Ernst, ebenso durch ein Script von Ernst , um den Tellicast Client und das TBS Interface zu ‘monitoren’.

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Update 10.09.2016: Leider hat unser Bezirksschornsteinfeger etwas gegen meine genial befestigte Empfangsantenne gehabt. So musste diese leider noch mal versetzt werden, was aber erfreulicherweise doch gut geklappt hat. Sogar die Aufgabe, Eutelsat 10A wiederzufinden, hat erstaunlich gut und schnell geklappt, obwohl ich jedoch meine 12.4dB Signal to Noise nicht wieder habe erreichen können.

eumetcast

 

astra

Dabei wurde auch gleich die Astra-Antene mit neuem Halter versehen, von Flechten gereinigt und neu ausgrichtet.!

Update 04.09.2017: Inzwischen wird bei EUMETSAT ein 2. Transponder getestet um weitere Daten per Satellit zur Verfügung zu stellen. Allerdings bedeutet dies auch, das ich diesen nicht auch noch mit meiner einen TBS5925 empfangen kann. Also bin ich auf die Suche nach einer weiteren TBS5925 gegangen und habe diese noch schnell erworben..ich denke diese Box wird demnächst nicht mehr erhätlich sein. Mit einiger Hilfe von Ernst läuft diese nun ebenfalls unter Linux und empfängt die Testdaten des HVS-2 zusätzlich. Tellicast ist inzwischen auf die Version 2.14.1-3 gesprungen, die Ramdisk ist inzwischen ein RamFS, Sentinel-3A wird inzwischen empfangen und die Daten werden auf einem zusätzlichen Computer (Linux 64bit mit der Software Snap Tool Box) verarbeitet und Bilder erzeugt. Dieser Rechner (‘Prozessor’) rechnet auch mit der Softwarekombination Python/Pytroll Bilder des BAS für meine Webseite, neben den wunderbaren Bildern und Animationen der Software von David Taylor (MSG DataManager, MSG Animator (Win) etc.). Grafana wurde aus Spass ebenfalls mal zum ‘monitoren’ des Linux-Recievers aufgesetzt. Hier ein Screenshot des Tellicast/Linux Systems bzw. des Dashboards:

3 Kommentare

  1. Ich habe heute den Blog über Eumetcast Empfang gelesen und bin beeindruckt.
    Da ich Fragen zu Tellicast (ich habe ein Problem) habe, wollte ich ein email mit Screenshots senden.
    mail: hcpetersat@gmx.de .
    Darf ich ein email an die richtige email adresse schicken?

    1. Hallo Heinz,

      kein Problem….Mail ist hcpeters(at)gmx.de.

      Ansonsten gibt es tatkräftige Hilfe auch in der Yahoo-Gruppe MSG-1
      https://groups.yahoo.com/neo/groups/MSG-1/info
      Einfach anmelden (allerdings alles in Englisch) und fragen.
      Ich benutze Tellicast unter Linux, bei Windows kann ich wahrscheinlich nicht so viel helfen….aber du kannst gerne mailen.

      Gruss

      Christian

  2. Die Beschreibung, die Bilder, vor allem die genaue Anleitung sind perfekt!!
    Aufgrund deiner Webseite und Ergänzung lt. email ist mir auch der Empfang Meteosat gelungen.
    Ich freue mich jedesmal, wenn die Bilder “hereinrauschen”.
    Alles gute und weiterhin viel Erfolg!

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